Harn Teststreifen
Harnparameter im medizinischen Kontext
Harnteststreifen sind in der medizinischen Diagnostik unverzichtbar, um einen schnellen Überblick über den Gesundheitszustand eines Patienten zu bekommen.
Medizinische Parameter – Prinzip, Bewertung, Fehlerquellen, Diagnostik
Albumin · Ascorbinsäure (Vitamin C) · Bilirubin · Blut · Dichte · Glucose · Keton · Kreatinin · Leukozyten · Nitrit · pH-Wert · Protein · Urobilinogen
Albumin
Prinzip
Der Test basiert auf dem Prinzip des "Eiweißfehlers" von Indikatoren, d. h. bei einem konstant gepufferten pH-Wert reagiert Albumin mit einem Tetrabromphenolsulfonphthalein-Derivat von Gelb-Grün bis Grün-Blau.
Ascorbinsäure (Vitamin C)
Moderne Teststreifen von MACHEREY‑NAGEL haben den besten verfügbaren Schutz gegen den störenden Einfluss von Ascorbinsäure in der Probe. Auf vielen Teststreifen ist dieses Testfeld aber aus historischen Gründen noch enthalten.
Prinzip
Der Nachweis beruht auf der Entfärbung von Tillmans-Reagens. Das blau gefärbte 2,6-Dichlorphenolindophenol / Natriumsalz wird durch Ascorbinsäure zur farblosen Leukoform reduziert. Die Anwesenheit von Ascorbinsäure wird durch einen Umschlag von blau nach rot angezeigt.
Bewertung
Die Farbfelder sind folgenden Konzentrationen zugeordnet:
0 (negativ), 10 (+) und 20 (++) mg/dL bzw.
0 (negativ), 0,6 (+) und 1,1 (++) mmol/L
Diagnostik
Der weit verbreitete Einsatz von Ascorbinsäure (z. B. Vitamin‑C-Therapie, therapeutischer Bestandteil und Stabilisator vieler Medikamente, Antioxidanz und Konservierungsmittel in der Lebensmittelindustrie) führt zu einer raschen Sättigung des Organismus und zu einer renalen Ausscheidung des Überschusses. Allein nach Fruchtsaftgenuss oder reichlichem Obstverzehr können störende Ascorbinsäurekonzentrationen im Harn beobachtet werden. Die Ascorbinsäuretestzone schützt somit vor falsch negativen Resultaten.
- Hohe Konzentrationen können andere Testfelder stören
Bilirubin
Prinzip
Durch Kupplung des Bilirubins mit einem Diazoniumsalz im sauren Milieu entsteht ein roter Azofarbstoff.
Bewertung
Werte ab 0,5 bis 1 mg/dL Harn werden angezeigt. Die Farbfelder sind folgenden Bilirubinkonzentrationen zugeordnet:
0 (negativ), 1 (+), 2 (++), 4 (+++) mg/dL bzw.
0 (negativ), 17 (+), 35 (++), 70 (+++) μmol/L
Einige Harnbestandteile können eine schwache Gelbfärbung des Testfeldes verursachen. Der Nachweis wird durch höhere Konzentrationen an Ascorbinsäure und Nitrit gehemmt. Längeres Stehen des Harns am Licht kann infolge Oxidation zu erniedrigten oder falsch negativen Werten führen. Ausgeschiedene Farbstoffe und Medikamente mit roter Eigenfärbung können ein positives Resultat vortäuschen.
Diagnostik (siehe auch Urobilinogen):
Nur direktes, wasserlösliches Bilirubin kann über die Nieren ausgeschieden werden. Im normalen Harn ist kein Bilirubin nachweisbar. Sein Auftreten im Harn weist auf einen Leberparenchymschaden (u. a. akute Virushepatitis und andere Hepatitisformen, Leberzirrhose, toxische Leberzellschädigung) oder eine Behinderung des Gallenabflusses (z. B. Cholangitis, Verschlussikterus) hin. Das beim hämolytischen Ikterus im Serum nachweisbare indirekte Bilirubin tritt nicht in den Harn über.
- Erkennung von Lebererkrankungen
- In Kombination mit Urobilinogen: Unterscheidung verschiedener Formen der Gelbsucht
Blut
Prinzip
Der Nachweis beruht auf der pseudoperoxidatischen Aktivität des Hämoglobins bzw. Myoglobins, die die Oxidation eines Farbindikators durch ein organisches Hydroperoxid zu einem blaugrünen Farbstoff katalysieren.
Bewertung
Der Test erfasst Werte ab 5 bis 10 Erythrozyten/μL Harn, die einer Konzentration von ca. 0,015 mg Hämoglobin bzw. Myoglobin/dL Harn entsprechen. Intakte Erythrozyten werden durch punktförmige Verfärbungen des Testfeldes angezeigt. Die Farbvergleichsfelder entsprechen:
0 (negativ), ca. 5–10, ca. 50, ca. 250 Ery/μL, bzw.
einer Hämoglobinmenge aus ca. 10, ca. 50, ca. 250 Ery/μL
Normale Konzentrationen von Ascorbinsäure (< 40 mg/dL) beeinflussen das Testergebnis nicht. Hemmwirkung zeigt weiterhin Gentisinsäure. Falsch positive Reaktionen können durch Reste peroxidhaltiger oder anderer Reinigungsmittel hervorgerufen werden. Bei weiblichen Patienten kann die Verunreinigung der Harnprobe mit Menstruationsblut zu falsch-positiven Ergebnissen führen.
Diagnostik
ede positive Reaktion sollte als anormaler Befund angesehen werden und erfordert weitere diagnostische Maßnahmen. Als häufige Ursache einer Hämaturie (intakte Erythrozyten hämolysieren auf dem Testfeld), Hämoglobinurie bzw. Myoglobinurie kommen u. a. in Frage: Schwere Infektionen der Nieren und der ableitenden Harnwege, Nieren- und Blasensteine, schwere Vergiftungen (z. B. Benzol- und Anilinderivate, Chlorat, Bakterientoxine, Pilz- und Schlangengifte), Herzinfarkt, Hämolyse nach Transfusionszwischenfall, Kältehämoglobinurie, Marschhämoglobinurie (nach starken körperlichen Anstrengungen) u. a. paroxysmale Hämoglobinurien sowie schwere hämolytische Anämien.
- Früherkennung schwerwiegender Erkrankungen der Nieren und der ableitenden Harnwege
Kreatinin
Prinzip
Der Nachweis erfolgt durch die Reaktion von Kreatinin mit Dinitrobenzoesäure. Die entstehende Färbung verläuft von Gelb-Braun bis Blau-Schwarz.
Bewertung
Im Anschluss an die Bestimmung des Albumin- und Kreatinin-Wertes muss das Albumin- / Kreatinin-Verhältnis mit Hilfe der auf dem Dosenetikett aufgedruckten Interpretationstabelle ermittelt werden. Dieses Verfahren ermöglicht die Verwendung jeglicher Harnproben, unabhängig von der Konzentration des Harns. Somit kann auf 24 Stunden Sammelurin verzichtet werden. Mit Hilfe der Tabelle erfolgt eine Zuordnung der Resultate in die Harnbewertungen „Normal“, „Abnormal“ oder „Stark Abnormal“. Die in der Tabelle klassifizierten Albumin-Kreatinin-Verhältnisse basieren auf folgenden Wertebereichen (mg Albumin / g Kreatinin): ¹⁾
Normal: < 30 mg/g
Abnormal: 30–299 mg/g (Mikroalbuminurie)
Stark abnormal: ≥ 300 mg/g (Makroalbuminurie bzw Proteinurie)
¹⁾ Position Statement: Diabetic Nephropathy. Diabetes Care. 27. S 79-S 83 (Supplement 1), 2004
Dichte
Prinzip
Der Test erfasst die Ionenkonzentration des Harns bei guter Korrelation zur Refraktometer-Methode. Bei steigender Ionenkonzentration erfolgt ein Farbübergang von blaugrün über grün nach gelb.
Diagnostik
Der Test erlaubt die Bestimmung der Harndichte zwischen 1,000 und 1,030. Der Normalwert für Erwachsene liegt bei normaler Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitszufuhr etwa zwischen 1,015 und 1,025; er kann variieren zwischen 1,000 bei extremer Flüssigkeitsaufnahme und 1,040 bei längerem Dursten. Die mit dem Teststreifen ermittelte Dichte kann gegenüber anderen Methoden leicht unterschiedliche Werte anzeigen, da z. B. eine Erhöhung der Dichte durch Glucosekonzentrationen > 1000 mg/dL (> 56 mmol/L) nicht erfasst wird. Zu hohe Resultate ergeben sich bei erhöhter Proteinausscheidung. Alkalische Harne mit hohem Gehalt an Puffersubstanzen lassen zu niedrige Werte erwarten.
Diagnosis
In der Nierendiagnostik hat die Bestimmung der Urinkonzentration ihre Bedeutung zur Prüfung der Funktionstüchtigkeit des Nierenparenchyms. Einem extrem verdünnten Harn kann, bei Ausschluss einer hohen Flüssigkeitsaufnahme, neben einer ausgeprägten Niereninsuffizienz auch eine verminderte Konzentrationsfähigkeit der Nieren zugrunde liegen, verursacht z. B. durch Diabetes mellitus, Diabetes insipidus, Hyperaldosteronismus, Medikamentenwirkung. Die Dichte des Harns liefert wertvolle Zusatzinformationen bei der Bewertung anderer Teststreifenergebnisse und hilft so mögliche Fehlinterpretationen zu vermeiden, z. B. speziell bei der Lyse von Leukozyten und Erythrozyten zur Klärung möglicher Differenzen zum Sedimentbefund und bei der Beurteilung der Testfelder für Nitrit, Protein und Glucose. Die Harndichte kann insbesondere im Grenzbereich zwischen physiologischem und pathologischen Befund eine entscheidende Rolle spielen.
- Hinweis auf Nierenstatus
- Information zur Hydrierung des Patienten
Glucose
Prinzip
Der Nachweis basiert auf der Glucoseoxidase-Peroxidase-Chromogen Reaktion. Unter der katalytischen Wirkung von Glucose-oxidase reagiert Glucose in wässriger Lösung mit Luftsauerstoff zu Gluconolacton. Das dabei entstehende Wasserstoffperoxid oxidiert unter Peroxidase-Katalyse ein Chromogen. Außer Glucose ist kein Harninhaltsstoff bekannt, der eine positive Reaktion liefert.
Bewertung
Pathologische Glucosekonzentrationen werden durch einen Umschlag von grün nach blaugrün angezeigt. Gelbe bis schwach grüne Testfelder sind als negativ (bzw. normal) zu bewerten. Alle Testfelder, die die Intensität des gelbgrünen (normal) Vergleichsfeldes überschreiten, müssen als positiv bewertet werden. Die Farbfelder entsprechen folgenden Glucosekonzentrationen:
neg. (gelb), neg. bzw. normal (gelbgrün), 50, 150, 500 und ≥1000 mg/dL bzw.
neg. (gelb), neg. bzw. normal (gelbgrün), 2,8, 8,3, 27,8 und ≥ 55,5 mmol/L
Hemmwirkung zeigt Gentisinsäure. Falsch positive Reaktionen können durch Reste peroxidhaltiger oder anderer Reinigungsmittel hervorgerufen werden. Ascorbinsäure stört den Glucosenachweis nicht.
Diagnostik
Wegen der klaren Unterscheidung zwischen physiologischer und pathologischer Glucosurie eignet sich der Test in erster Linie zur Erkennung von Diabetes mellitus und zur Überwachung (bzw. Selbstkontrolle) von Diabetikern. Außer bei Diabetes mellitus können auch beim renalen Diabetes, während der Schwangerschaft und nach kohlenhydratreichen Mahlzeiten erhöhte Harnglucosekonzentrationen auftreten. Jeder positive Glucosetest macht weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich.
- Früherkennung von Diabetes mellitus
- Verlaufskontrolle bei Typ‑II‑Diabetikern
Keton
Prinzip
Der Test beruht auf dem Prinzip der Legal’schen Probe. Acetessigsäure und Aceton reagieren mit Nitroprussidnatrium im alkalischen Medium zu einem violetten Farbkomplex.
Bewertung
Acetessigsäure reagiert mit dem Testfeld empfindlicher als Aceton. Werte ab 10 mg Acetessigsäure/dL bzw. 50 mg Aceton/dL werden angezeigt. Die Farbfelder sind folgenden Acetessigsäurekonzentrationen zugeordnet:
0 (negativ), 25 (+), 100 (++) und 300 (+++) mg/dL bzw.
0 (negativ), 2,5 (+), 10 (++) und 30 (+++) mmol/L
Phenylketone stören in höherer Konzentration, ergeben aber eine abweichende Färbung. ß-Hydroxybuttersäure, die chemisch nicht zu den Ketonen zählt, wird nicht erfasst. Phthaleinverbindungen erzeugen auf dem Testfeld rötliche Farbtöne.
Diagnostik
Die Bildung der Ketonkörper (Acetessigsäure, Aceton und ß-Hydroxybuttersäure) erfolgt ausschließlich in der Leber. Zur Ausscheidung von Ketonkörpern im Harn kommt es, wenn im Körper ein verstärkter Fettmetabolismus stattfindet. Ketonurie tritt vorwiegend bei Ketoacidose im Gefolge des Diabetes mellitus auf und kann in Verbindung mit anderen Stoffwechselstörungen zum Coma diabeticum führen. Als weitere Ursachen einer Ketonurie kommen in Frage: Überdosierung von Insulin, Hungerzustände (z. B. Schlankheitskuren, Nulldiät), bedrohliche Stoffwechselstörung während der Schwangerschaft (Hyperemesis gravidarum), acetonämisches Erbrechen bei Kleinkindern und fieberhafte Zustände insbesondere bei Infektionskrankheiten.
- Früherkennung einer Ketose / Acidose
- Kontrollparameter bei Diabetes mellitus
Leukozyten
Prinzip
Der Test beruht auf der Esteraseaktivität von Granulozyten. Dieses Enzym spaltet einen Carbonsäureester. Die dabei freigesetzte Alkoholkomponente reagiert mit einem Diazoniumsalz zu einem violetten Farbstoff.
Bewertung
Der Test erfasst Werte ab ca. 10 bis 25 Leukozyten pro μL Harn. Verfärbungen, die nicht mehr dem negativen Vergleichsfeld zuzuordnen sind und schwache violette Verfärbungen nach 120 Sekunden müssen positiv bewertet werden. Die Farbvergleichsfelder entsprechen folgenden Leukozytenkonzentrationen:
negativ (normal), 25, 75, 500 Leukozyten/μL
Eine abgeschwächte Reaktion ist bei Eiweißausscheidungen über 500 mg/dL und einer Glucosekonzentration über 2 g/dL sowie bei der Einnahme von Präparaten mit Cephalexin bzw. Gentamycin zu erwarten. Bakterien, Trichomonaden und Erythrozyten reagieren nicht mit diesem Test. Formaldehyd (als Konservierungsmittel) kann zu einer falsch positiven Reaktion führen. Borsäure als Konservierungsstoff verhindert die Empfindlichkeit der Reaktion. Ausscheidungen von Bilirubin, Nitrofurantoin oder anderen stark gefärbten Verbindungen können die Reaktionsfarbe überdecken. Bei Proben weiblicher Patienten kann durch vaginalen Ausfluss eine falsch positive Reaktion vorgetäuscht werden. Zur Vermeidung falsch positiver Resultate bei Frauen durch vaginale Kontamination ist eine gründliche Reinigung vor der Miktion dringend erforderlich.
Diagnostik
Eine vermehrte Ausscheidung von Leukozyten im Harn (Leukozyturie) ist ein wichtiges Leitsymptom bei entzündlichen Erkrankungen der Nieren und / oder der ableitenden Harnwege (einschl. Prostata). Besondere Bedeutung gewinnt die Leukozyturie bei der Diagnose der chronischen Pyelonephritis, da sie zwischen den akuten Schüben doch oft das einzige Symptom ist.
Als weitere Ursachen einer Leukozyturie kommen differenzialdiagnostisch in Betracht: Analgetika-Nephropathien, Glomerulapathien und Intoxikationen, Cystitis, Urethritis, Nieren- oder Urogenitaltuberkulose, Pilz- und Trichomonadeninfektionen, Gonorrhoe, Urolithiasis, Tumore mit Abflussbehinderung.
- Infektionskrankheiten der Harnwege und der Nieren
Nitrit
Prinzip
Mit diesem Test werden indirekt Mikroorganismen nachgewiesen, die Nitrat zu Nitrit reduzieren können. Dem Test liegt das Prinzip der Griess’schen Probe zugrunde. Das Testfeld enthält ein Amin und eine Kupplungskomponente. Durch Diazotierung mit anschließender Kupplung entsteht ein rot gefärbter Azofarbstoff. Da nur Nitrit ein Diazoniumsalz bilden kann, das zu einem Azofarbstoff kuppelt, sind falsch positive Resultate praktisch auszuschließen.
Bewertung
Der Nachweis erfasst Werte ab 0,05 bis 0,1 mg Nitrit/dL Harn. Jede Rosafärbung zeigt einen behandlungsbedürftigen Nieren- oder Harnwegsinfekt an. Die Farbintensität hängt zwar von der Nitritkonzentration ab, erlaubt aber keine Aussage über den Infektionsgrad. Ein negatives Resultat kann einen Harnwegsinfekt nicht ausschließen. Falsch negative Resultate können durch hohe Ascorbinsäurekonzentrationen, bei der Antibiotica-Therapie, bei zu niedrigem Nitratgehalt im Harn infolge nitratarmer Kost bzw. starker Verdünnung (Diurese) und bei zu geringer Verweildauer des Harns in der Blase auftreten. Auch können Keime ohne die Fähigkeit der Nitrit-Bildung vorliegen. Eine falsch positive Reaktionsfarbe kann durch im Harn ausgeschiedene Farbstoffe verursacht werden.
Diagnostik
Zu den harnpathogenen Keimen, die vorhandenes Nitrat zu Nitrit reduzieren, zählen Escherichia coli (häufigster Erreger von Harnwegsinfekten), Aerobacter, Citrobacter, Klebsiellen, Proteus, Salmonellen und teilweise Enterokokken, Pseudomonas und Staphylokokken. Bei positivem Ausfall sollte stets eine mikroskopische Untersuchung und eine Resistenzprüfung angeschlossen werden.
- Erkennung einer bakteriellen Infektion der Nieren bzw. der Harnwege
pH-Wert
Prinzip
Das Testpapier enthält einen Mischindikator, der im pH-Bereich von 5 bis 9 deutlich unterscheidbare Reaktionsfarben (von orange über grün nach türkis) ergibt.
Bewertung
Bei Gesunden liegt der pH-Wert im frischen Harn meist zwischen pH 5 und pH 7. Die Farbskala erlaubt eine deutliche Differenzierung des pH-Wertes von pH 5 bis pH 9. Der pH-Wert sollte stets in frischem Harn kontrolliert werden, da der Harn durch bakterielle Zersetzung pH-Werte > 9 zeigen kann.
Diagnostik
Der pH-Wert dient der Ergänzung anderer Parameter. Deutlich saure pH-Werte treten z. B. bei gesteigertem Eiweißzerfall, hohem Fieber, schwerer Diarrhoe und metabolischer Acidose (schwere Formen von Diabetes mellitus) auf. pH-Werte > 7 finden sich bei Harnwegsinfekten, respiratorischer bzw. metabolischer Alkalose.
- Erkrankung im Urogenitalbereich
- Ergänzung anderer Parameter
- Unterstützung für mikroskopische Befunde
Protein
Prinzip
Der Test basiert auf dem Prinzip des „Eiweißfehlers“ von Indikatoren, d. h. bei einem konstant gepufferten pH-Wert erfolgt der Farb-umschlag in Gegenwart von Albumin von gelb nach grünblau. Andere Proteine reagieren mit geringerer Empfindlichkeit.
Bewertung
Der Test erfasst Werte ab 10 mg Protein/dL Harn. Die Farbfelder sind folgenden Albuminkonzentrationen zugeordnet:
negativ, 30, 100 und 500 mg/dL bzw. negativ, 0,3, 1,0 und 5,0 g/L
Falsch positive Befunde können bei stark alkalischem Harn (pH > 9), nach Infusionen mit Polyvinylpyrrolidon (Blutersatzmittel), bei der Behandlung mit chininhaltigen Präparaten und durch Reste von Desinfektionsmitteln im Uringefäß auftreten. Farbstoffe aus Arzneimitteln (z. B. Methylenblau) oder der Farbstoff der roten Rüben können die Proteinfärbung überdecken.
Diagnostik
Neben der physiologischen Proteinurie, deren Grenzwert im ersten Morgenurin mit 10 bis 30 mg/dL angegeben wird, unterscheidet man folgende Proteinurien:
- Gutartige Proteinurie wird z. B. beobachtet nach körperlichen Belastungen, bei Orthostase, bei Fieber und während der Schwangerschaft. Hierbei ist die Eiweißausscheidung im Morgenharn meist normal, während im Tagesverlauf stark schwankende Werte gefunden werden können
- Extrarenale Proteinurie tritt häufig bei akuten Krankheitsbildern auf wie z. B. bei Herzinsuffizienz, Koliken, Leberzirrhose, Plasmozytom und Karzinomen
- Renale Proteinurie, bei der die Eiweißkonzentration im Primärharn die Grenze der tubulären Resorptionsfähigkeit überschreitet, kann bedingt sein durch z. B. Pyelonephritis, Glomerulonephritis, Nierentuberkulose, Nierenbeteiligung bei Infektionskrankheiten und Vergiftungen, Zystennieren, Gichtniere. Jedem positiven Proteintest sollten weitere diagnostische Maßnahmen folgen
- Hinweis auf eine Erkrankung der Nieren bzw. der ableitenden Harnweg
Urobilinogen
Prinzip
Das Testfeld enthält ein stabiles Diazoniumsalz, das mit Urobilinogen einen rötlichen Azofarbstoff bildet.
Bewertung
Je nach Eigenfarbe des Urins lassen sich Konzentrationen von 0,5 bis 1 mg Urobilinogen/dL Harn nachweisen. Die normale Ausscheidungsrate liegt bei 1 mg/dL. Werte darüber sind pathologisch. Ein ebenfalls pathologisches völliges Fehlen von Urobilinogen im Harn (z. B. kompletter Verschluss des Ductus choledochus) lässt sich mit Teststreifen nicht nachweisen. Die Farbfelder sind folgenden Urobilinogenkonzentrationen zugeordnet:
normal (0–1), 2, 4, 8, 12 mg/dL or
normal (0–17), 34, 70, 140, 200 μmol/L.
Der Nachweis wird durch höhere Konzentrationen an Formaldehyd gehemmt. Längeres Stehen des Harns am Licht kann infolge Oxidation zu erniedrigten oder falsch negativen Werten führen. Zu hohe oder falsch positive Resultate können durch im Harn ausgeschiedene Farbstoffe oder Medikamente verursacht werden. Größere Mengen Bilirubin färben das Testfeld gelb.
Diagnostik
Erhöhte Urobilinogenkonzentrationen im Harn sind ein empfindlicher Hinweis auf Funktionsstörungen der Leber oder auf hämolytische Erkrankungen. Als Ursachen einer Urobilinogenurie sind u. a. zu nennen: Virushepatitis, chronische Hepatitis und Leberzirrhose, Infektionen und Vergiftungen, Stauungsleber, Leberkarzinom; hämolytische und perniciöse Anämie, Polyzythämie und pathologische Zustände im Darmkanal, die mit vermehrter Resorption einhergehen.
- Erkennung von Lebererkrankungen
- In Verbindung mit der Bilirubin-Unterscheidung zwischen verschiedenen Formen der Gelbsucht